An diesem sonnigen 1. Mai sind wir unterhalb des Hochfelln nahe der Strohnalm zu diesem mystischem Ort gewandert. Von der Steinbergalm über zum Teil steile, kurze Anstiege, Waldwege und mitten auf den Weiden liegenden Findlinge kommen wir der Michaelsgrotte immer näher. Viele Heilkräuter und Kiesel-Glocken-Enzian sind auf den Almwiesen. Der Blick über Ruhpolding auf den Hochstaufen und weiter im Süden auf das Sonntagshorn machen die grandiose Aussicht perfekt.
Ein ganz besonderer Zauber – eine Begegnung mit der Göttin der Unterwelt.
Vor über hundert Jahren wurde die Michaelsgrotte gesegnet und eingeweiht. In der Grotte befindet sich eine Statue des Erzengels Michael mit einem Drachen. Auf dieser Darstellung trägt er eine Soldatenuniform und ist mit einem Speer bewaffnet. Bei den Kelten galten Drachen, Lindwürmer und Schlangen als magische Wesen, die den Menschen mit ihrer Kraft und Stärke hilfreich zur Seite standen. Sie wurden als Begleiter der Großen Göttin verehrt. Später wurden sie dämonisiert und in die Unterwelt verbannt. Daher liegt die Vermutung nahe, dass Orte, an denen Kraftplätze dem Erzengel Michael gewidmet sind, ursprünglich alte Kulte und Riten beherbergten.
Neben dem heiligen Michael steht auf einem Vorsprung eine Bernadette-von-Lourdes Figur und eine Marienfigur. In der Grotte spiegelt sich das weibliche Prinzip wider. Sie ist Maria zugeordnet, und alle Marienorte gelten als Erdmutterorte. Diese Orte besitzen eine erdende Kraft, fördern die Fruchtbarkeit und bieten Trost in Trauer und Not. Kleine Holzkreuze erinnern an all die Verstorbenen.
